Freitag, 18. Juni 2010

zarte Enthüllung



Wie Straßenlaternen hingen die kleinen Mohnknospen mit rötlich gesträubtem Haar über dem Blattwerk - als wären sie selbst aufgeregt, dass sie nun bald leuchten dürften. Nicht länger konnte ich mich in Geduld üben. Zu überprüfen galt ihre "Funktionalität".



Also nahm ich mich der haarigen Angelegenheit an, brach die Knospen auf und enthüllte ihre Leuchtkraft. Wie gecrashte Seide entblätterte sich Blütenblatt für Blütenblatt.



Die gefüllten Samenkapseln hatte ich letztes Jahr geerntet. Die Mütter dieser Pflanzen waren allesamt apricot-roséfarben.



Und dieses Jahr reicht die Farbpalette von vielen Rosé-Nuancen bis hin zum Zerfall in die Mischfarben reines Weiss und feldfrisches Mohnrot.



Ihren Knitterlook haben die Blüten behalten - seit einigen Tagen nun schon schwimmen Sie in Kristall. Wer Saatgut haben möchte, einfach Bescheid geben: Ich versuche zum Ende der Blühzeit mir wieder ein paar Körnchen "abzukapseln".

Donnerstag, 10. Juni 2010

Pusteblume


Löwenzahn

Fliegen im Juni auf weißer Bahn
flimmernde Monde vom Löwenzahn,
liegst du versunken im Wiesenschaum,
löschend der Monde flockenden Flaum.

Wenn du sie hauchend im Winde drehst,
Kugel auf Kugel sich weiß zerbläst,
Lampen, die stäubend im Sommer stehn,
wo die Dochte noch wolliger wehn.

Leise segelt das Löwenzahnlicht
über dein weißes Wiesengesicht,
segelt wie eine Wimper blass
in das zottig wogende Gras.

Monde um Monde wehten ins Jahr,
wehten wie Schnee auf Wange und Haar.
Zeitlose Stunde, die mich verließ,
da sich der Löwenzahn weiß zerblies.


Peter Huchel (1903-1981)

Montag, 7. Juni 2010

Mein Rosenwalzer



...bei der Arbeit - ganz von der Rolle und aufgehend in ihr...




...mit Farbe und Musterwalze ...




...bei seiner Fließbandproduktion von aufgehübschtem aufblühendem Rosen-Packpapier.

Danke für Deine Unterstützung, mein Schatz - im "rollierenden Verfahren" habe wir dies gemeinsam gemeistert :-)))

Sonntag, 6. Juni 2010

Verliebt in einen Apfelbaum



Ich liebe alte knorrige Bäume.
Doch einer hat besonders mein Herz erobert.




Dem Alter entsprechend ist er ein wenig träge.
So trägt er erst jetzt seine Blüten.




Und dies tut er ausschließlich. Nicht ein einziges grünes Blatt ist zu sehen. Nur ein Stück Rinde verbindet den hohlen Stamm mit den nährenden Wurzeln.




Übersät mit Blüten so steht er da - wie ein gebrochener alter Mann - als wolle er in Schönheit sterben. Doch wer weiss, vielleicht lebt er ja doch noch weiter -eben von Luft und Liebe.


Der Apfelbaum

In eines Bauers Garten stand
Ein schöner Apfelbaum; doch neigten Hang und Winde
Und Alter ihn zu weit nach linker Hand.
Der Bauer sahs; berief sein Hausgesinde,
Und hielt geheimen Rat. In diesem ward erkannt:
Den Baum mit umgelegten Stricken
Und mit vereinter Kraft ins Gleichgewicht zu rücken.
Man schritt zum Werk, das rasch von Statten ging.
Kein Wunder, zwanzig Ärzte zogen
So derb, daß sie den Stamm noch mehr zur Rechten bogen,
Als er zuvor sich nach der Linken hing.
Zum Teufel! fluchte Kunz, ihr seid so dumm als Pferde,
Der Baum soll aufrecht stehn. Nun schritten klein und groß
Zur zweiten Kur; allein die Wurzeln rissen los
Und krachend fiel der Baum zur Erde.

Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809)

Samstag, 5. Juni 2010

"Sah ein Knab'..."



Abermals hat sich eine kleine Porzellanpuppe in meinen Garten verirrt - und mit Freude feststellen können, dass nun auch hier endlich die Heckenrosen blühen. Ganz vorsichtig nähert er sich der duftenden Blüte. Und wie fein seine und ihre zarte Zerbrechlichkeit zueinander passen.



Und dennoch ist es ein neugieriger Junge. Ganz interessiert guckt der kleine Knirps auf den glitzernden Rosenkäfer, der gerade genüsslich ein Duftbad nimmt...

Freitag, 4. Juni 2010

"Und wenn die Welt untergeht, ..."



... so ziehe ich nach Mecklenburg,...




denn dort geschieht alles 50 Jahre später.",




soll Otto von Bismarck einst ein wenig spöttisch gesagt haben.

Für mich klingt es wie eine Liebeserklärung
an dieses wunderbare Stück Erde,
auf dem ich wandeln darf als Gast derselben.