Wie Straßenlaternen hingen die kleinen Mohnknospen mit rötlich gesträubtem Haar über dem Blattwerk - als wären sie selbst aufgeregt, dass sie nun bald leuchten dürften. Nicht länger konnte ich mich in Geduld üben. Zu überprüfen galt ihre "Funktionalität".
Also nahm ich mich der haarigen Angelegenheit an, brach die Knospen auf und enthüllte ihre Leuchtkraft. Wie gecrashte Seide entblätterte sich Blütenblatt für Blütenblatt.
Die gefüllten Samenkapseln hatte ich letztes Jahr geerntet. Die Mütter dieser Pflanzen waren allesamt apricot-roséfarben.
Und dieses Jahr reicht die Farbpalette von vielen Rosé-Nuancen bis hin zum Zerfall in die Mischfarben reines Weiss und feldfrisches Mohnrot.
Ihren Knitterlook haben die Blüten behalten - seit einigen Tagen nun schon schwimmen Sie in Kristall. Wer Saatgut haben möchte, einfach Bescheid geben: Ich versuche zum Ende der Blühzeit mir wieder ein paar Körnchen "abzukapseln".
